
Papst Leo XIV. spricht 50 Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus selig
Unter den Geehrten: der in Wuppertal wirkende Jesuitenpater Victor Dillard SJ.
Papst Leo XIV. wird am 13. Dezember 2025 in der Pariser Kathedrale Notre-Dame fünfzig Frauen und Männer seligsprechen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihr Leben einsetzten. Unter ihnen befindet sich der Jesuitenpater Victor Dillard SJ (1897–1945), der während des Zweiten Weltkriegs freiwillig nach Deutschland ging, um französische Zwangsarbeiter in Wuppertal seelsorglich zu begleiten.
Pater Dillard, geboren am 24. Dezember 1897 in Blois (Frankreich), war seit Oktober 1943 unter falschem Namen als Elektriker in der Dampfkesselfabrik Siller & Jamart in Wuppertal-Hatzfeld tätig. Sein Auftrag war seelsorglicher Natur: Er betreute französische Zwangsarbeiter, spendete Sakramente und stärkte sie im Glauben und in ihrer Würde.
Durch seine mutige Arbeit kam Dillard in Kontakt mit weiteren Gegnern des NS-Regimes, darunter Pfarrer Hans Carls (später im KZ Dachau) und Maria Husemann (später im KZ Flossenbürg). Nach seiner Enttarnung im April 1944 wurde er im Polizeigefängnis Bendahl inhaftiert und am 12. November 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er am 12. Januar 1945 an den Folgen der Haftbedingungen starb.
Erinnerung in Wuppertal
In Wuppertal ist die Erinnerung an Pater Victor Dillard bis heute lebendig. Bereits im Januar 2002 wurde ihm im Krankenhaus St. Josef, wo er häufig die Eucharistie feierte, eine Gedenktafel gewidmet.
Im August 2005, anlässlich des Weltjugendtages in Köln, folgte eine weitere Bronzetafel (Foto) an der Kirche St. Konrad in Wuppertal-Barmen, die vom Bischof seiner Heimatstadt Blois feierlich eingeweiht wurde.
Die Tafel zeigt ein Relief des Paters und vier symbolische Darstellungen:
- eine Pflanze für seine geistige Beweglichkeit,
- einen Kelch für seine priesterliche Berufung,
- eine Lüsterklemme als Zeichen seiner Tarnarbeit als Elektriker,
- und ein Kreuz als Symbol seines Todes im Konzentrationslager Dachau.
Unter dem Relief steht schlicht: „Père Victor Dillard – *24.12.1897 Blois – †12.1.1945 Dachau“.
Ein Duplikat dieser Gedenktafel wurde am 12. Januar 2006 an seiner ehemaligen Schule Notre-Dame des Aydes in Blois enthüllt.
Ein Leben im Dienst des Glaubens und der Menschlichkeit
Nach dem Ersten Weltkrieg trat Dillard 1920 in den Jesuitenorden ein. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Großbritannien, Österreich und Deutschland und wirkte später als Geistlicher und Dozent in Frankreich. Seine Begegnung mit US-Präsident Franklin D. Roosevelt in Washington unterstreicht die geistige Weite und den internationalen Horizont seines Denkens.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs diente er erneut als Soldat, wurde gefangen genommen, konnte fliehen – und folgte schließlich dem Aufruf der französischen Bischöfe, sich in den Dienst der im Ausland verschleppten Landsleute zu stellen. Sein Einsatz für die Menschen in Zwangsarbeit wurde ihm zum Verhängnis – und zugleich zum Zeugnis des Glaubens.
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