
Sieben Erwachsene empfangen in St. Laurentius das Taufsakrament. In der Nacht vor Ostersonntag werden in der Basilika St. Laurentius sieben Frauen und Männer getauft und gefirmt. Für diesen wichtigen Moment besuchten sie über mehrere Monate Vorbereitungskurse und informierten sich in zahlreichen Gesprächen mit Seelsorgern über Sakramente und das Leben in der Gemeinschaft Christi.
Palmsonntag 2026. Es ist der letzte Kurstag. Erwachsenentaufen in der Osternacht sind immer etwas Besonderes, weil eher wenige im Jahr stattfinden. Nur noch wenige Tage, dann ist es soweit. Im Pfarrsaal von St. Laurentius sitzt Pfarrer Bruno Kurth an vier provisorisch zusammengeschobenen Tischen und schaut erwartungsvoll in die Runde. Die drei Frauen und fünf Männer halten sich an Tee und Kaffee, schauen erwartungsvoll zurück. „In dieser Runde haben wir noch nicht zusammengesessen“, sagt Pfarrer Kurth „da bietet sich eine kleine Vorstellungsrunde an.“ Mariam lässt sich nicht lange bitten: „Ich möchte anfangen“, und lächelt dabei freundlich in die Runde. Sie ist getauft, aber nicht katholisch, „ich bin Armenierin und“, sie zögert einen Moment „und eher orthodox, eher georgisch, oder so“ Nacheinander geht es weiter, gegen den Uhrzeigersinn. Was bedeutet die Taufe für einen selbst? Was hat einen und eine zum Glauben gebracht? Die Taufbewerber und -bewerberinnen sprechen offen, lassen dabei auch kurz aufblitzen, wie intensiv der Wunsch nach der Taufe ist. „Ich habe viele grausame Schicksalsschläge hinter mir“, sagt eine Taufbewerberin mit muslimischem Hintergrund, „es war eine schlimme Zeit, die jetzt endlich hinter mir liegt. Jesus Christus hat mich daraus errettet und mir die Liebe zum Leben, hat mir wieder Gefühle geschenkt.“ Sofort wird es still im Raum. Tränen sammeln sich in den Augen einiger. Mariam springt auf, geht zur Garderobe, kommt lächelnd mit einer Handvoll Taschentüchern zurück: „Hier, ich habe genug dabei“, sagt sie und bedient sich gleich selbst daran. So emotional geht es dann nicht weiter, aber eindrucksvoll bleibt es. Da ist ein junger Mann mit polnischen Wurzeln. „Allerdings sind meine Eltern evangelisch“, sagt er, „was in Polen eher selten ist.“ Links von ihm sitzt eine Firmbewerberin, die demnächst heiraten möchte, rechts ein 15-jährige Teenager, der sinnsuchend Gott gefunden hat. Und da sind noch Mike und Ruben. Ruben ist 28 Jahre alt und wuchs die ersten 16 Lebensjahre freikirchlich auf. „Dann gab es mehrere atheistische Jahre bei mir, bis ich mich intensiv mit dem Glauben auseinandergesetzt habe“, sagt er. Mit dem 25-jährigen Mike hat er einen Freund und zugleich einen Paten gefunden. „Ja, tatsächlich im Firnessstudio. Wir kamen ins Gespräch und stellten fest, dass wir beide glauben“, erinnert sich Ruben. Der Weg zum katholischen Glauben führte über das Studium des Islam, Calvinismus „bis hierhin. Hier fühle ich mich zu Hause“, sagt Ruben und Mike nickt zustimmend. Gab es einen Erweckungsmoment, einen bestimmten Punkt, der ihn womöglich zurück zum Glauben führte? „Das werde ich wirklich oft gefragt. Aber nein, so einen Moment gab es nicht“, erklärt er, „vielmehr habe ich mich die letzten vier oder fünf Jahre auf die Suche gemacht und habe hier meinen Platz gefunden.“
Für Pfarrer Bruno Kurth sind alle Taufen in seiner Katholischen Kirche und vor allem in „seiner“ Basilika eine große Freudenfeier. Erwachsenentaufen nehmen dabei aber eine Sonderstellung ein. „Die bewusste Entscheidung, Teil der Glaubensgemeinschaft zu werden, ist großartig. Großartig, weil junge Menschen wieder zu Jesus Christus finden. Das ist eine große Freude!“
Nach der Kennenlernrunde und der Besprechung des theoretischen Ablaufs in der Osternacht ist im Pfarrsaal Schluss, es wird ernst – Pfarrer Bruno Kurth führt alle in die Kirche. Jetzt sind doch einige Bewerber nervös. Wo steht wer zu welchem Zeitpunkt der Messe? Knien bei der Taufe oder lieber stehen? Und wer liest welche Fürbitten? Pfarrer Kurth nimmt sich Zeit für jede Frage, erklärt die Abläufe und ist zu Scherzen aufgelegt: „Bei der Kommunion gibt es die Handkommunion oder die Mundkommunion. Bei letzterer bitte die Zunge deutlich herausstrecken, damit ich die Hostie nicht irgendwie in den Mund schieben muss. Das muss ich so deutlich sagen“, und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen, „weil es auch so genannte Schnapper gibt, die den Mund ganz schnell schließen und man zusehen muss, dass man seine Finger schnell zurückzieht.“
Das Taufbecken steht noch am Eingang der Kirche. In der Osternacht wird es aber neben dem Altar stehen. Hier wird dann getauft und es wird nass. „Es wird keine Haarwäsche, keine Sorge,“ so Bruno Kurth, „aber es wird richtig nass“, wirft Mariam ein, „da muss jeder ein eigenes Handtuch dabeihaben.“ Sie schaut in die Runde. „Ich bringe euch eins mit. Das ist eine schöne Erinnerung.“
Hintergrund
Beitrag im Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/taufe-katholisch-frankreich-deutschland-100.html#:~:text=2024%20ließen%20sich%20rund%202000,allerdings%20auch%20weniger%20Kinder%20getauft.
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