
In der Reihe »Bücher-Begegnung« werden am 5. Oktober wieder Texte aus der Bibel und dazu passende Werke der Weltliteratur gelesen und besprochen. Dieses Mal geht es um die biblische Figur Sara: Sara gehört zu den prägenden Gestalten der Bibel, besonders im Buch Genesis. Auch wenn sie in der Tradition um den »Stammvater« Abraham oft aus dem Fokus rückte, geht ihre Rolle über die einer Nebenfigur hinaus. Sie steht im Zentrum einer Erzähltradition, die sich mit Verheißung, Zweifel und Erfüllung befasst. Als »Erzmutter« begleitet sie den Aufbruch ihrer Sippe in eine ungewisse Zukunft. Ihre lange Kinderlosigkeit wird zum erzählerischen Motor. Im Roman »Sara« (2021) des nicaraguanischen Autors Sergio Ramírez wird die Figur der Sara neu akzentuiert. Der Text verschiebt dabei die Perspektive und lässt Sara als eigenständige Stimme mit innerer Reflexion und kritischer Distanz zu den überlieferten Strukturen erschei-nen. Die biblische Figur wird in der modernen Lesart zur Trägerin zeitloser Fragen nach Identität, Macht und Selbstbestimmung.

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